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Finanzkrise ab 2007

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Finanzkrise ab 2007
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Auswirkungen auf die Realwirtschaft
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Die Finanzkrise ab 2007 ist eine Banken- und Finanzkrise, die im Frühsommer 2007 mit der US-Immobilienkrise (auch Subprimekrise) begann. Diese Krise äußerte sich weltweit in Verlusten und Insolvenzen bei Unternehmen der Finanzbranche, aber seit Ende 2008 auch in der Realwirtschaft. Die Krise wurde wesentlich durch fallende Immobilienpreise in den USA beeinflusst, die sich nach einer langen Preissteigerungsphase zu einer Immobilienblase entwickelt hatten. Gleichzeitig konnten immer mehr Kreditnehmer ihre Kreditraten nicht mehr bedienen, teils wegen steigender Zinsen, teils wegen fehlender Einkommen. Zunächst waren von diesen Problemen im Immobilienbereich in erster Linie Subprime-Kredite betroffen, die überwiegend an Kreditnehmer mit geringer Bonität vergeben wurden. Die Subprimekrise gilt als Auslöser der Krise, nicht als Ursache, doch veranlasste sie die Regierung, die Kontrolle über die beiden größten Hypothekenbanken der USA zu übernehmen.

Im September 2008 ging der Internationale Währungsfonds von Verlusten für das Finanzsystem von insgesamt 1,3 Billionen US-Dollar aus.[1]

1. Entstehung


1.1 Niedrige Zinssätze

Übersicht über die Entstehung der Subprimekrise und ihre AuswirkungenDer Krise ging weltweit ein längerer Zeitraum vergleichsweise niedriger realer und nominaler Zinssätze voraus. Hinzu kamen weltweit reichliche Ersparnisse, was sich in einer weltweiten Suche nach Rendite auf den Finanzmärkten und einer (aus heutiger Sicht) Unterschätzung der mit Krediten verbundenen Risiken niederschlug.[2] Im Juni 2003 wurde die Federal Funds Rate auf 1 % abgesenkt, um die amerikanische Konjunktur zu stimulieren.[3] Dazu kommt, dass das Außenhandelsdefizit der USA durch Kapital finanziert wurde, das auf dem US-Kapitalmarkt angelegt wurde, was die Zinssätze in den USA niedrig hielt.[4] So legte China seine Erlöse aus seinem Exportüberschuss in den USA in Staatspapieren an, was die Effektivverzinsung von Staatspapieren drückte. Ein Anlagenotstand in Form von „relativ spärlicher werdenden Realinvestitionen“[5] trieb ebenfalls die Kurse nach oben und die Effektivverzinsung nach unten.

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) stellt in ihrem Jahresbericht vom Juni 2008 fest, dass die Zentralbanken in den fortgeschrittenen Ländern angesichts ungewöhnlich niedriger Inflationsraten sehr lange die Leitzinsen niedrig hielten. Diese Politik niedriger Zinsen wurde in den USA auch damit begründet, dass eine Deflation die inzwischen hoch verschuldeten Haushalte und Unternehmen stark belasten würde.[6] Vor dem Hintergrund der aktuellen Finanzkrise schreibt dazu die BIZ: „Es ist nicht ausgeschlossen, dass der Abbau der Kreditblase nach einer vorübergehend höheren Inflation in eine Deflation mündet, die – insbesondere angesichts des hohen nominalen Ausgangsniveaus an Schulden – schwer zu bewältigen sein könnte. Aufgrund derartiger Überlegungen machen sich nicht zuletzt in den USA manche für einen besonders energischen Einsatz der geldpolitischen Lockerung als ‚Versicherung‘ gegen eine solche wenig wahrscheinliche, aber sehr kostspielige Entwicklung stark.“[7]

Weltweites Emissionsvolumen von Collateralized Debt Obligations, die meist Subprime-ABS beinhaltenDie niedrigen Zinsen hätten nicht zu einer Abwertung der Währungen dieser fortgeschrittenen Länder geführt, weil die „aufstrebenden Volkswirtschaften“ gegen eine Aufwertung ihrer Währungen intervenierten. China kaufte 2007 460 Mrd. Dollar. Die Währungsreserven Chinas und des Industriestaats Japan, der eine vergleichbare Strategie verfolgte, stiegen somit auf jeweils mindestens 1 Bio. US-Dollar.[8] Um seinen Export zu fördern, hält Japan den Leitzins seit Jahren sehr niedrig, was den Kurs der japanische Währung niedrig hält. Investoren nutzen dies, um in Japan billige Kredite aufzunehmen und damit in anderen Wirtschaftsräumen Vermögenswerte aufzukaufen.[8] Insgesamt hat dies zusammen mit Finanzmarktinnovationen zu den hohen Vermögenspreisen geführt.[9] Hohen Vermögenspreisen entspricht eine niedrige Effektivverzinsung, die langfristigen Zinssätze blieben niedrig. Als Mitte 2004 die US-Konjunktur so gefestigt war, dass die US-Zentralbank daran ging, den Leitzins anzuheben, führte dies aus diesen Gründen nicht, wie beabsichtigt, auch zu einem Anstieg der langfristigen Zinssätze, so dass sich die Immobilienhausse fortsetzte.[8]

Niedrige Zinssätze werden nicht nur als Vorlauf der Krise, sondern auch als eine Folge der Krise genannt.[10]

1.2 Ausweitung der Kreditvergabe

Wegen des niedrigen Zinsniveaus konnten sich untere Einkommensschichten ein Eigenheim leisten. Ermutigt durch die Politik vergaben US-Banken Kredite mit variablem Zinssatz an Schuldner mit mäßiger Bonität. Wegen des niedrigen Zinsniveaus waren die Raten zunächst niedrig. Das Risiko einer Zinserhöhung lag bei den Schuldnern, denen dies häufig nicht bewusst war.[11]

Wegen der steigenden Nachfrage stiegen die Preise von Immobilien und somit deren Wert als Kreditsicherheiten. Die Banken nutzten diese Entwicklung, um den Schuldnern Zusatzkredite zu verkaufen. Darüber hinaus wurden Kredite an Kunden mit schlechter Bonität vergeben. Bei stetig steigenden Immobilienpreisen kann im Falle einer Zahlungsunfähigkeit die Immobilie zu einem höheren Marktwert verkauft werden. Die Banken waren bei steigenden Preisen abgesichert und Schuldner glaubten daran, im Notfall ihr Haus mit Gewinn weiterverkaufen zu können. Einige Banken spezialisierten sich auf zweitklassige Hypothekenkredite (Subprime Loans).

Leitzinsen der ZentralbankenDie Immobilienhausse führte so zu einer Belebung der Bauindustrie und der Konsumnachfrage.[8]

Um das notwendige Kapital für immer neue Kredite zu beschaffen, wurden Kreditforderungen in großem Stil verbrieft, von einer Ratingagentur bewertet und an andere Banken und Investoren zu einem dem Rating entsprechenden Preis weiterverkauft.[12] Für die Bank hat der Weiterverkauf eines verbrieften Kredits den Vorteil, dass sich dadurch die bankaufsichtlichen Eigenkapitalanforderungen reduzieren. Freilich musste dann die Bank, welche den verbrieften Kredit gekauft hatte, das entsprechende Eigenkapital vorhalten. Da jetzt aber solche Kredite in die ganze Welt verkauft wurden, stand das Eigenkapital der Banken weltweit für Kredite an den US-Immobilienmarkt zur Verfügung.[13] Dies ermöglichte eine gewaltige Ausweitung des Kreditvolumens an den US-Immobilienmarkt. Dazu kommt, dass Nicht-Banken wie Hedgefonds oder Zweckgesellschaften (SIVs) keinen bankaufsichtlichen Eigenkapitalanforderungen unterliegen, wenn sie diese Papiere kaufen.[14]

Die wirtschaftliche Abschwächung in den USA etwa ab 2005 und der spätere Anstieg des US-Leitzinses auf bis zu 5,25 % im Juni 2006 löste eine Kettenreaktion aus. Einkommensschwache Schuldner konnten die gestiegenen Raten für ihre variabel verzinslichen Kredite nicht mehr bezahlen und mussten ihr Haus verkaufen. Wegen der zunehmenden Immobilienverkäufe brachen die Häuserpreise – Höhepunkt war Juli 2006[15] – ein, und durch den fallenden Wert der Immobilien hatten die Banken und Investoren zunehmend ungesicherte Kreditforderungen. Die Zahlungsunfähigkeit von Schuldnern bescherte den Banken und den Investoren (Hedgefonds, SIVs) nun Verluste.

1.3 Zahlungsausfälle

Im Frühjahr 2007 erreichten in den Vereinigten Staaten die Zahlungsausfälle auf Subprime-Kredite den höchsten Stand der letzten Jahre. Einige Immobilienfonds, die in strukturierte Finanzprodukte investiert hatten, setzten die Annahme von Fondsanteilen aus, weil sie sonst in finanzielle Schwierigkeiten geraten wären.[16] Im Juni 2007 teilte Bear Stearns den Kunden zweier seiner Hedgefonds mit, dass die Einlagen, die Ende 2006 noch mit 1,5 Mrd. US-Dollar bewertet worden waren, jetzt fast nichts mehr wert seien.[17] Dutzende Baufinanzierer, die sich gerade auf diese Kredite spezialisiert hatten, mussten Gläubigerschutz beantragen.

Weiterreichende Auswirkungen ergaben sich dadurch, dass die Subprime-Kredite über strukturierte Anlageformen (Collateralized Debt Obligations CDO oder Asset Backed Securities ABS) im Kapitalmarkt refinanziert wurden. Die Hauskredite, d. h. die Rückzahlungs- und Zinszahlungsansprüche gegen die Schuldner, wurden als Wertpapiere in Form von Asset Backed Securities verkauft. Die Verbriefung erfolgte über zwischengeschaltete Zweckgesellschaften (Conduits), die die Rückzahlungs- und Zinszahlungsansprüche übernahmen und zu deren Refinanzierung die ABS emittierten. Teilweise erfolgte die Refinanzierung über die Emission von kurzlaufenden Asset-backed Commercial Paper, d. h. längerfristige Geldanlagen wurden also durch laufend neu aufzunehmende kurzfristige Kredite refinanziert (Fristentransformation). Darüber hinaus wurden auch Conduits gegründet, die auf Hauskrediten beruhende forderungsbesicherte Wertpapiere in den Bestand nahmen und neu verbrieften.

Durch die Verbriefung von Hauskrediten über Conduits konnten die verbriefenden Banken bankaufsichtlich vorgeschriebenes Eigenkapital sparen. Der Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung beschreibt dies so, dass über die Auslagerung dieser Geschäfte aus den Bankbilanzen mit Hilfe der als „Schattenbanken“ bezeichneten Conduits bankaufsichtsrechtliche Regeln zur Risikostreuung und zur Absicherung durch Eigenkapital umgangen werden konnten.[18]

Aufkäufer der längerfristigen Wertpapiere waren vielfach Fonds, Versicherungen und andere Banken. Die Kreditgeber waren allerdings nur dann bereit, diesen Zweckgesellschaften kurzfristige Kredite zu geben, wenn die als Sicherheit dienenden Wertpapiere von Ratingagenturen eine gute Bonität bescheinigt bekamen. Diese Kreditwürdigkeit musste von den Banken, die hinter den Zweckgesellschaften standen, garantiert werden. Die Zweckgesellschaft „Rhineland Funding“ beispielsweise erhielt ein gutes Rating von einer Rating-Agentur, weil die IKB Deutsche Industriebank eine Liquiditätsgarantie an diese Zweckgesellschaft geleistet hatte.[19]

Unter den Fonds waren nicht nur risikobereite Hedgefonds, sondern auch eher konservative Investmentfonds vertreten. Da aber insbesondere Hedgefonds stark in die stärker risikobehafteten Wertpapiertranchen investierten, kam es bei diesen zu Verlusten, die teilweise zur Schließung und Abwicklung der Hedgefonds führten.[20] Aber auch Investmentbanken waren betroffen.

1.4 Vertrauenskrise des Interbankenmarktes

Die Schließung von Hedgefonds und die Verluste bei den Investmentbanken führten zu einer Abnahme der Risikobereitschaft privater und institutioneller Anleger. Diese zogen daraufhin in kurzer Zeit erhebliche Beträge aus dem Kapitalmarkt ab oder hielten sich mit neuen Investitionen in risikoreiche Anlagen zurück. Die abnehmende Risikobereitschaft der Investoren brachte die Refinanzierung der von Banken gegründeten Zweckgesellschaften (Conduits und Structured Investment Vehicles) durch Asset-backed Commercial Papers (ABCP) kürzerer Laufzeit zum Stillstand. Investoren waren aus Unsicherheit über die den Investmentvehikeln der Zweckgesellschaften zugrunde liegenden Vermögensanlagen nicht mehr bereit ABCP jedweder Art zu kaufen. Dies führte dazu, dass die auslaufenden ABCP nicht durch neue abgelöst werden konnten. Daher wurden die Banken, welche meist zu 100 % diese Zweckgesellschaften sponserten, über die von ihnen für die Zweckgesellschaften gestellten Liquiditätslinien in Anspruch genommen. Dies bedeutet, dass die betroffenen Banken die Liquidität zur Verfügung stellen mussten, die die Zweckgesellschaften im Normalfall von den ABCP-Investoren erhalten hätten. Dies trug zur Vertrauenskrise zwischen den Banken bei, der sich am Geldmarkt durch einen Anstieg der Geldmarktzinsen widerspiegelte.[21] Am 9. August 2007 – dieser Tag gilt inzwischen als der Beginn der eigentlichen Finanzkrise[22] – stiegen die Aufschläge für Interbankkredite im Vergleich zum Zentralbankleitzins weltweit, vor allem in den USA, sprunghaft an.[23] Mit der Insolvenz von Lehman Brothers am 15. September 2008, nachdem eine staatliche Rettung ausgeblieben war, kam der Interbankenmarkt weltweit zum Erliegen.[24]



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