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Kritik an Leichtathletik-WM: "Hauptsponsor adidas für Hungerlöhne verantwortlich" / Entwicklungsorganisation: Fairness läuft auf hinteren Plätzen

Mit dem Sportartikelhersteller adidas als Hauptsponsor hat die am morgigen Samstag in Berlin anlaufende Leichtathletik-Weltmeisterschaft ein fatales Signal in Sachen Fairness gesetzt. "Fairness ist ein zentrales Motiv im Sport. Bei adidas aber läuft sie auf den ...

Münster/Berlin (ots) - Mit dem Sportartikelhersteller adidas als Hauptsponsor hat die am morgigen Samstag in Berlin anlaufende Leichtathletik-Weltmeisterschaft ein fatales Signal in Sachen Fairness gesetzt. "Fairness ist ein zentrales Motiv im Sport. Bei adidas aber läuft sie auf den hinteren Plätzen: Der Konzern ist für Hungerlöhne in seinen weltweiten Fertigungsstätten verantwortlich", kritisiert Sandra Dusch Silva vom Berliner Büro der Christlichen Initiative Romero e.V. (CIR), einer entwicklungspolitischen Organisation mit Sitz in Münster.

adidas, nach Nike Branchenzweiter unter den internationalen Sportartikelherstellern, lässt unter anderem in Textilfabriken im mittelamerikanischen El Salvador produzieren. Dort wird Näherinnen zwar der nationale Mindestlohn gezahlt - aber der reicht nicht zum Leben: Eine salvadorianische Näherin verdient monatlich zirka 173 Dollar, abzüglich elf Dollar Sozialleistungen. Rund 700 Dollar aber benötigt in El Salvador laut Regierungsstatistiken eine vierköpfige Familie jeden Monat, um ihren Grundbedarf finanzieren zu können. ",Geiz ist nicht geil', hat adidas-Vorstandschef Herbert Hainer im Mai auf der Hauptversammlung des Unternehmens verkündet", erklärt Sandra Dusch Silva. "Dieser Satz muss für die Arbeiterinnen in den weltweiten adidas-Zulieferbetrieben aus dem Munde Hainers wie blanker Hohn klingen." Die Christliche Initiative Romero, die den Sportartikel-Konzern aus dem fränkischen Herzogenaurach seit mehreren Jahren wegen massiver Arbeitsrechtsverletzungen in seinen salvadorianischen Zulieferbetrieben im Visier hat, wirft dem Unternehmen vor, auch in anderen Regionen der Erde die Abwärtsspirale in Sachen Löhne anzutreiben. So verlagert adidas wegen gestiegener staatlich festgelegter Löhne in China seine Produktion von dort nach Vietnam.

Weil Arbeiterinnen in salvadorianischen Zulieferbetrieben, wie vom adidas-Kodex garantiert, ihr Recht auf Organisation wahrnahmen, wurden sie entlassen. Darüber hinaus landeten sie auf Schwarzen Listen, so dass sie auch anderswo keine Arbeit mehr fanden. Der Hauptsponsor der Leichtathletik-WM 2009 blieb trotz mehrfacher diesbezüglicher Appelle jahrelang untätig. "Was das Unternehmen als Wahrnehmung sozialer Verantwortung verkauft, dient lediglich PR-Zwecken", stellt Sandra Dusch Silva fest.

Trotz Krise und enormer Gewinneinbrüche im ersten Quartal 2009 sieht Herbert Hainer adidas, wie er kürzlich in einem Interview mit "FOCUS money" feststellte, "in einer Phase der Stärke". Im zweiten Halbjahr 2009 erwartet er wieder deutlich positive Gewinne je Aktie. adidas richtet sich nach den Worten Hainers auf ein weiteres profitables Wachstum aus. Die Christliche Initiative Romero, die Mitträgerin der internationalen Kampagne für Saubere Kleidung (Clean Clothes Campaign/CCC) ist, fürchtet, dass dieses Wachstum nicht zuletzt auch auf Kosten von Arbeiterinnen in den weltweiten Zulieferbetrieben zustande kommen wird. "adidas steckt Millionen in seine Sponsorenschaft der Leichtathletik-WM. Hier Millionen für Prestigezwecke investieren, dort Hungerlöhne für Arbeiterinnen zahlen - mit diesem Fairness-Verständnis ihres Hauptsponsors geht die Weltmeisterschaft denkbar schlecht an den Start", bilanziert Sandra Dusch Silva für die Christliche Initiative Romero.

Die Christliche Initiative Romero e.V. setzt sich seit 1981 für Arbeits- und Menschenrechte in Ländern Mittelamerikas ein. Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Unterstützung von Basisbewegungen und Organisationen in Nicaragua, El Salvador und Guatemala sowie die Kampagnen- und Bildungsarbeit in Deutschland. Ziel ist, eine Brücke zwischen den Entwicklungsländern und Deutschland zu schlagen. Im Sinne ihres Namensgebers, des 1980 ermordeten salvadorianischen Erzbischofs Oscar Romero, setzt sich die Initiative gegen Ungerechtigkeitsverhältnisse ein und ergreift Partei für die Armen.


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