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4. Auswirkungen auf die Volkswirtschaft
Auch auf die Volkswirtschaft allgemein gesehen hatte die Krise sowohl kurz- als auch langfristige Auswirkungen, die weiter als die reine Rezession gingen und einen Strukturwandel herbeiführten.
4.1 Importrückgang und Exportboom
Die schnelle Abwertung des Peso führte besonders im Jahr 2002 zu einer Unterbewertung des argentinischen Peso gegenüber den anderen Weltwährungen. Dies hatte eine drastische Senkung der Preise argentinischer Produkte und Dienstleistungen zur Folge, während in Relation dazu die Importe deutlich teurer wurden.
Dies führte zu einem starken Rückgang der Importe besonders in der Phase der stärksten Unterbewertung des Peso zwischen 2002 und 2004, in der der Handelsbilanzüberschuss bis auf 16,7 Milliarden US-Dollar anstieg. [19] Daher wurden zahlreiche vorher importierte Produkte wieder in Argentinien produziert, und es kam zu einer erneuten Welle der Importsubstitution, die allerdings im Gegensatz zu der Phase zwischen 1930 und 1976 nicht staatlich gefördert wurde, sondern allein eine Reaktion auf die Marktsituation war. Parallel dazu stiegen die Exporte ab 2003 stark an, da argentinische Produkte auf dem Weltmarkt wieder attraktiver geworden waren. Dies führte zu einer positiven Handelsbilanz auch in den Folgejahren.
Erst ab 2005, als die Unterbewertung des Pesos wegen einer steigender Inflation, aber stabilen Wechselkursen nachließ, zogen die Importe wieder an; die Handelsbilanz blieb aber bis 2007 weiterhin positiv.
4.2 Inflation
Die Abwertung des Peso setzte einen erneuten Inflationskreislauf in Gang. Zwar lagen die Werte weit unter denen der Krise zwischen 1988 und 1990, aber der Kaufkraftverlust des Peso ist bis 2007 trotz der seit 2004 stabilen Wechselkurse konstant.
Die Gründe dafür sind vor allem in der Preis-Kosten-Lohn-Spirale zu suchen. Die erhöhten Preise veranlassten die Gewerkschaften, auf teils starke Lohnerhöhungen Druck auszuüben. Da dies jedoch wiederum die Produkte verteuerte, konnte die Situation sich nur kurzzeitig stabilisieren (in den Jahren 2003 und 2004 mit 3,7 bzw. 6,1 %). Im Jahr 2005 erhöhte sich die Inflation jedoch wieder (12,3 %) [19]
Die Regierung versuchte dieser Entwicklung mittels Preiskontrollen für bestimmte Produkte Herr zu werden. Dies war jedoch nur zeitweise von Erfolg gekrönt. Die Inflationswerte sind auch 2007 weiterhin zweistellig und der Trend geht sogar wieder etwas nach oben - geschätzt wird eine Inflation von etwa 16 %. Die offiziellen Werte vom Jahr 2007, die auf eine einstellige Inflation hindeuten, sind von zahlreichen Wirtschaftsexperten angezweifelt worden, da die Mitarbeiter des INDEC mehrfach Einmischung der Regierung in die Berechnung des Konsumentenpreisindexes denunziert hatten. Es wird vermutet, das aus populistischen Gründen heimlich die Methodik geändert wurde, um die Zahlen zu "schönen". [20]
4.3 Energieengpässe
In den Jahren ab 2004 kam es besonders im Winter regelmäßig zu Energieengpässen. Der Grund dafür lag in der Expansion der Wirtschaft, insbesondere der Industrie, und im damit verbundenen steigenden Energieverbrauch, der jedoch nur unzureichend von Investitionen in die Erschließung neuer Energiequellen gedeckt wurde.
Zu einem besonders schweren Engpass kam es im Winter 2004, der landesweit kälter als im klimatischen Durchschnitt ausfiel und allgemein als Energiekrise bezeichnet wurde. Der Grund war ein weit überdurchschnittlicher Erdgas- und Stromverbrauch zu Heizzwecken, vor allem in den Privathaushalten. Als kurzfristige Reaktion darauf wurden einerseits die Industrie mit einem vorübergehen Erdgas- und Elektrizitätskonsumverbot belegt. Zum anderen wurden auch die Privathaushalte belastet, indem ein hoher Strafaufschlag auf den Strompreis von Haushalten angewendet wurde, die mehr Elektrizität als im Vergleichsmonat des Jahres 2003 verbraucht hatten. Einige Provinzen entschieden sich dieses Jahr für eine Umstellung auf Winterzeit. Wegen Erfolglosigkeit wurde diese Maßnahme jedoch nur wenige Wochen nach der Krise wieder zurückgenommen.
2005 und 2006 gab es zwar ebenfalls kurzzeitige Engpässe, da die Winter jedoch je nach Landesteil durchschnittlich oder wärmer als im Durchschnitt ausfielen, waren die Effekte nicht so drastisch. 2007 jedoch kam es ab Ende Mai wegen stark unterdurchschnittlicher Temperaturen zu einem weiteren starken Engpass, bei dem wiederum die Industrie zeitweise mit Verbrauchsverboten für Strom und Erdgas belegt wurde. Ebenfalls wurde an besonders kritischen Tagen der Verkauf von Erdgas für Kraftfahrzeuge an Tankstellen untersagt.
Als kurzfristige Lösung vereinbarte Präsident Kirchner mit dem erdgasreichen Nachbarland Bolivien im Juni 2007 eine verstärkte Investition in neue Energiequellen. Langfristig wird Hoffnung in die baldige Fertigstellung des Atomkraftwerks Atucha II und des Wasserkraftwerks Yacyretá-Apipé am Río Paraná - eines der größten der Welt - im Jahr 2008 gelegt, auch sind mehrere Wärmekraftwerke geplant. Eher zaghaft erfolgt dagegen der Ausbau der Windenergie, die in Argentinien besonders im Süden im Überfluss vorhanden ist, wenn auch einige Großprojekte im Norden der Provinz Chubut und im Süden von La Pampa geplant sind. Der Grund für die bisher geringe Nutzung liegt vor allem im bisherigen Fehlen einer eigenen Produktion von Windkraftwerken, das die Investitionen in diese Technik verteuert, da zahlreiche Einzelteile importiert werden müssen. [21]
Quellenangaben
Dieser Artikel und darin enthalten Bilder basieren auf dem Artikel Argentinien-Krise aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU License für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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