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Argentinien-Krise

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Argentinien-Krise
Geschichte der Krise
Auswirkungen auf die Bevölkerung
Auswirkungen auf die Volkswirtschaft
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Der Ausdruck Argentinien-Krise bezeichnet die letzte große Wirtschaftskrise in Argentinien zwischen 1998 und 2002, deren Auswirkungen bis in das Jahr 2005 zu spüren waren.

Die beiden Höhepunkte der Krise waren einerseits eine starke Rezession 1998/99 und der Kollaps des Finanzsystems 2001/02, der zum Rücktritt des Präsidenten Fernando de la Rúa und einer Periode von großer politischer Instabilität führte. In der Zeit der Krise sank das Bruttoinlandsprodukt Argentiniens um insgesamt 21 %. Die sozialen Folgen waren verheerend: Am Höhepunkt der Krise (Mitte 2002) stieg die Armutsrate auf 57 %, die Arbeitslosenrate erreichte 23 %. Seit Mitte 2002 erholt sich die Wirtschaft des Landes wieder, sie befindet sich seit 2003 wieder auf Wachstumskurs (Wachstum 2003: 8,9 %, 2004: 8,8 %).

1. Vorgeschichte und Ursachen der Krise

Argentinien, das in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu den reichsten Ländern der Welt gehört hatte (1913 lag das Pro-Kopf-Einkommen auf dem Niveau Frankreichs und Deutschlands[1]), hatte seit der Absetzung von Juan Perón 1955 eine sowohl politisch als auch wirtschaftlich instabile Phase durchgemacht. Es kam zu häufigen Regierungswechseln, die sich auch in einer Wirtschaftspolitik mit stark wechselnden Ideologien niederschlugen. Die Folge waren zahlreiche Wirtschaftskrisen, die wiederum zu kurzfristig angelegten Stabilisierungsprogrammen führten, die jedoch die instabile Situation meist noch verschärften und hohe soziale Kosten verursachten, insbesondere durch eine hohe Inflationsrate. Somit wird oft von einem langsamen Abstieg Argentiniens von der ersten in die dritte Welt gesprochen.

Viele Fehler in der Wirtschaftspolitik dieser Phase waren ausschlaggebend für die Krise der Jahrtausendwende. 1983 war zwar die politische Instabilität durch die endgültige Etablierung der Demokratie überwunden worden, die wirtschaftliche Instabilität − hohe Inflationsraten und daraus resultierend harte Sparprogramme wie der Plan Austral − dauerte jedoch noch bis 1991 an, als Argentinien seine Währung mit einem festen Wechselkurs an den US-Dollar band und damit die Inflation vorerst stoppen konnte. Schon nach wenigen Jahren zeigten sich jedoch die ersten Nachwirkungen dieses Stabilisierungsprogramms monetaristischer Ausrichtung: Die Preise argentinischer Produkte verteuerten sich auf dem Weltmarkt und führten zu einer geringeren Wettbewerbsfähigkeit und im Endeffekt einer negativen Handelsbilanz und einer starken Erhöhung der Auslandsverschuldung.

Obwohl mit den Ex-Präsidenten Carlos Menem und Fernando de la Rúa sowie dem Wirtschaftsminister Domingo Cavallo für einige Massenmedien die Schuldigen an der Krise schon früh "feststanden", ist die Krise durch das Zusammenwirken mehrerer komplexer Effekte zustandegekommen. Hier wären zu nennen:

1.1 Hohe Schuldenrate

Schon in der Militärdiktatur des Prozess der Nationalen Reorganisation 1976−83 war wegen einer negativen Handelsbilanz sowie Spekulation und Kapitalflucht die Verschuldung Argentiniens rapide angestiegen und konnte sich danach nur kurzzeitig stabilisieren. In der Regierungszeit Menems stieg sie ebenfalls wegen der fast immer negativen Handelsbilanz zwar moderat, aber konstant auf etwa 55% des Bruttosozialprodukts des Landes. Allein zwischen 1996 und 1999 stiegen die Staatsschulden um 36 %. [2]

1.2 Überbewertung des Peso gegenüber dem US-Dollar

1991 hatte der damalige Wirtschaftsminister Domingo Cavallo zunächst den Austral, dann, nach dessen Einführung, den Peso an den US-Dollar gekoppelt. Der fixe Wechselkurs betrug 10.000 Austral je US-Dollar bzw. 1 Peso je US-Dollar. Diese Maßnahme führte zunächst zu einem erfolgreichen Rückgang der Inflation, die während der Hyperinflations-Krise 1989 dreistellige Werte im Monat erreicht hatte. Dennoch blieb eine ein- bis zweistellige Restinflation erhalten, die die argentinischen Produkte auf dem Weltmarkt verteuerte. Dies führte vor allem in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre zu einer Importschwemme und einer negativen Handelsbilanz, die durch Neuverschuldung ausgeglichen werden musste. Heute wird kritisiert, dass Argentinien die 1:1-Parität möglichst noch vor 1998 durch einen flexiblen Wechselkursmechanismus hätte ersetzen sollen, wodurch die Krise wohl nicht so drastisch ausgefallen wäre. Verschärft wurde dieser Effekt noch durch den starken Dollar Ende der 90er Jahre. [3]

1.3 Konsequenzen anderer südamerikanischer Krisen

1995 hatte Mexiko nach der so genannten Tequila-Krise seine Währung abgewertet, dasselbe passierte 1998 in Brasilien. Das hatte zur Folge, dass die Produkte dieser Länder auf dem Weltmarkt deutlich billiger wurden, mit verheerenden Folgen für die exportorientierten argentinischen Wirtschaftsbereiche. Zudem lagerten einige argentinische Betriebe und internationale Konzerne ihre Produktion daraufhin nach Brasilien aus, was die Arbeitslosenrate weiter erhöhte.

1.4 Mangelndes Vertrauen in das Finanzsystem

Wegen der wechselhaften Geschichte der argentinischen Wirtschaft waren die Argentinier misstrauisch gegenüber dem Bankensystem geworden, der Konsumentenvertrauensindex sank zwischen 1998 und 2001 um 20%. [4]. Dies führte zu Panikreaktionen - massenhafte Dollarkäufe und Verlagerung von Kapital ins Ausland - besonders nach dem neuen Bankengesetz Ende 2001 und der darauf folgenden Abwertung 2002, was die Wirtschaft noch weiter zurückwarf.

Auch international war das Vertrauen in die argentinische Volkswirtschaft um die Jahrtausendwende rapide gesunken. Die Länderrisikoprämie, die angibt, wie hoch die Zinsen für Anleihen eines Landes im Vergleich zum Standard-Zinssatz in den USA liegen, stieg ab 2000 stetig an, ab dem 10. Oktober 2001 war sie mit 1.916 Punkten [5], was 19,1 % Zusatzzinsen bedeutete die höchste der Welt. Faktisch bedeutete dies, das Argentinien der Zugang zum regulären ausländischen Kapitalmarkt verwehrt war und von den Krediten des IWF abhängig war. 2002 stieg die Prämie sogar bis über 6000 Punkte, erst 2005 entspannte sich die Situation.

1.5 Denationalisierung der Wirtschaft

Eine Privatisierungswelle Anfang der 90er Jahre, bei der viele Staatsbetriebe zum Teil unter Wert verkauft wurden, führte dazu, dass weite Teile der argentinischen Wirtschaft vom Ausland abhängig wurden. Dies machte das Land anfällig für Spekulation und Kapitalflucht, ein Phänomen, das Ende 2001 maßgeblich zur Bankenkrise beitrug.



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